Takt, Losgelassenheit, Versammlung und ein Studium

28. September 2017 at 06:05

Hallo Zauberponys,

legen eure Mamas auch so großen Wert auf eure Ausbildung? Ständig höre ich die Fachgespräche auf der Stallgasse: Grüne oder rote Schabracke, gerader oder geschwungener Stirnriemen, da gibt es eine Vielzahl von wichtigen Entscheidungen, die eine Pferdemama für die Ausbildung seines Schützlings treffen muss. Mal möchte Mama, dass ich locker vorwärts laufe, dann muss es auf einmal seitwärts oder gar rückwärts sein. Die Alte weiß doch auch nicht was sie will.

Ich weiß auch gar nicht warum wir in den Unterricht gehen: Muss sie was lernen oder ich? Mir fällt es manchmal schwer ihr Dinge zu erklären, deshalb bin ich froh, wenn diese Aufgabe die Reitlehrerin übernimmt. Aber während ich in der Lage bin meinen Alltag selbstständig zu gestalten, habe ich das Gefühl gehabt, dass Mama oft langweilig ist und sie deswegen dauernd bei mir war.

Ich habe mir also vor knapp 4 Jahren überlegt, dass es nötig ist ihr ein Hobby zu suchen, bei dem sie auch noch etwas lernt. Überlegt doch mal: Zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen! Mama geht mir nicht mehr ganz so sehr auf die Nerven und zusätzlich bildet sie sich weiter, damit sie eines Tages mehr Geld für viel Futter für mich hat. Mama muss studieren!

Nachdem ich sie dann endlich für das Studium angemeldet hatte, musste ich sie nur noch überzeugen, dass sie dort auch hingeht. Aber wenn ich in Anhänger gehen, über Pfützen springen und an Kühen vorbeigehen muss, dann kann sie ja wohl auch mal was tun, worauf sie keine Lust hat.

Natürlich habe ich die letzten Jahre immer aufgepasst, dass ich da sehr konsequent bin. Ich muss euch gestehen, manchmal hat es einfach nur mit Gerte oder Sporen geklappt. Auch wenn ich darauf nicht so stolz bin, immerhin habe ich mich durchgesetzt und sie dahin geschickt.

Immer wenn eine Klausur anstand hatte Mama plötzlich besonders viel Zeit. Ich verstehe zwar nicht, wie sie die Inhalte der Klausuren lernen wollte, während sie meine Hufe das 4. Mal hintereinander auskratzte, aber es schien zu funktionieren. Offenbar sind Menschen da etwas anders als wir Pferde, anstatt sich entspannt auf die Arbeit vorzubereiten, schieben sie alle möglichen Dinge vor, nur um später zu jammern, dass man doch besser früher angefangen hätte zu lernen.

Mama hat das aber doch insgesamt ganz gut gemacht und so hat sie mir jetzt stolz erzählt, dass sie fertig ist und ob ich mich freue. Ähhhhhhm, Sekunde?! Es sind ernsthaft schon 4 Jahre rum?! Ja super Mama, toll gemacht.

Versteht mich nicht falsch, natürlich habe ich mich für sie gefreut, aber ich befürchte, dass sie ohne Hobby jetzt wieder sehr anhänglich wird. Aber was mache ich mir Sorgen, wenn ich keine Lust auf sie und ihre verrückten Ideen habe, dann zicke ich einfach rum.

Aber was soll ich dazu nun sagen, schließlich muss sie ihren Platz in der Herde ja allein finden. (Und ich bin der Chef)

Eure Amy